Humanes Papilloma-Virus (HPV)

Praxis mit der Zusatzqualifikation zur Exfoliativzytologie.

Von den ca. 100 verschiedene Papillomaviren, auch Warzenviren genannt, sind nur wenige für den Menschen von Bedeutung. Einige davon sind harmlos (low-risk-Typen). Dazu gehören die Verursacher von Hautwarzen bei Kindern an Händen und Fußsohlen oder Genitalwarzen (Kondylome, Feigwarzen) bei Erwachsenen. Letztere sind sehr lästig und unangenehm. Eine Behandlung ist meist erforderlich. (Pinselung bei kleineren Warzen, Laser- oder operative Entfernung bei umfangreicherem Befall.
Eine weitere für den Menschen bedeutsame Art dieses Virustyps (high-risk-Typen) geht mit einem erhöhten Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken einher. Die Übertragung erfolgt ausschließlich sexuell.

Infektion beim Sexualkontakt:

Das HPVirus wird sexuell übertragen. Die Infektionsrate beträgt bei Frauen unter 30 J. ca. 25%, danach ca. 8%. Die Immunitätslage der Frau spielt dabei eine Rolle. Eine Infektion mit dem Virus heilt häufig innerhalb von Monaten zu 1 ½ Jahren ab. Bei bis zu 70% der männlichen Partner infizierter Frauen bestehen meist nur kleinste Läsionen am Penis, so dass sich diese Männer der Infektion mit dem HPVirus oft nicht bewusst sind, d.h. sie merken sie nicht. Kondome bieten nur einen begrenzten Schutz, da es sich um eine Tröpfcheninfektion handelt. Die Übertragung der Viren erfolgt nicht erst durch den Geschlechtsverkehr (Penetration) sondern bereits durch den Kontakt infizierter Hautpartien mit der Vaginalschleimhaut.

Vermeiden lässt sich eine Infektion nur durch Abstinenz oder eine Impfung.

Krebsvorsorgeuntersuchung

Das Vorliegen einer HPV-Infektion wird in erster Linie im Rahmen der Krebsvorsorgeuntersuchung (KVU) entdeckt. Bei einer Vorsorgeuntersuchung wird standardmäßig mit einem Wattestäbchen ein Abstrich am Gebärmuttermund entnommen (ein schmerzloser Vorgang). Dieses Abstrichspräparat wird vom Gynäkologen in ein Labor zur Färbung und Begutachtung der Zellen geschickt oder von ihm selbst ausgewertet, wenn er in Exfoliativzytologie ausgebildet ist.

Untersuchungsbefund

Sie erhalten einen Befund des zytologischen Präparates, der ausdrückt, ob auffällige oder veränderte Zellen gefunden werden konnten. Dazu werden die Zellen in sog. PAP-Stufen eingeteilt (PAP: Papanicolaou, Arzt, der diese Methode entwickelt hat).

PAP-Befund
I und II    Normalbefunde
III  unklarer Befund
III D sog. Dysplasie, nochmals unterteilt in III D leicht und mittel
IV und V schwere Dysplasie mit nachgewiesenen Krebszellen

Erklärung: Eine leichte Dysplasie (Zellveränderung) ist ein häufiger Befund. Sie bildet sich in ca. 70% der Fälle von selbst zurück. Eine weitere Kontrolle dieses Befundes im Rahmen der nächsten Krebsvorsorge ist ausreichend. Bei auffälligen PAP-Befund (ab Stufe III D) ist eine spezielle HPV-Testung nötig. Dabei wird gezielt geschaut, ob HPViren vorhanden sind und um welchen Typ (low oder high risk) es sich bei ihnen handelt.

Positives HPV-Testergebnis:

Ein high risk positives Ergebnis besagt, dass HPViren, die einen Gebärmutterhalskrebs auslösen könnten, vorliegen. Das Testergebnis besagt aber nicht, dass eine Krebserkrankung oder auch nur eine Krebsvorstufe vorliegen. Nur in 0,2 bis 1% der Fälle kommt es zu einer Krebsentstehung. Und dieser würde sich über Monate entwickeln. Es bliebe also genügend Zeit, um das weitere Vorgehen zur Überwachung der Entwicklung zu planen.

Partnerinfektion bei positivem Befund

Beim Vorliegen bzw. Nachweis einer HPV-Infektion der Frau, ist es sinnvoll, auch den Partner zu untersuchen („Partnerdiagnostik“). Etwa 75% der Männer einer high risk positiven Frau sind ebenfalls infiziert. Der Nachweis ist jedoch schwierig. Häufig finden sich winzig kleine Läsionen (Wunden) am Penis, die nur durch eine Peniskopie und einen „Essigsäuretest“ nachgewiesen werden können. Ein Peniskarzinom ist jedoch sehr selten. Bei positivem HPV-Test besteht also keine Gefahr für ihren Partner, an einem durch die HP-Viren verursachten Krebs zu erkranken. Jedoch kann er zum Überträger der Infektion auf eine andere Frau werden. Da eine HPV-Infektion schon Jahre vor ihrem Nachweis stattgefunden haben kann, ist diese kein Beweis für eine sexuelle Untreue des Partners.

Impfung

Eine Impfung zum Schutz vor einer HPV-Infektion ist möglich. Impfen lassen sich Mädchen vor Eintritt in das sexuell aktive Alter und Frauen während der sexuell aktiven Zeit. Der Impfstoff schützt vor den beiden Virentypen, die den Gebärmutterhalskrebs verursachen (HPV 16 und 18) sowie vor den beiden Virentypen, die für die schmerzhafte und langwierige Erkrankung an Kondylomen (Feigwarzen) verantwortlich sind (HPV 6 und 11). Nach der ersten Impfung sind weitere Impfungen, und zwar nach einem Monat und noch einmal nach einem halben Jahr, nötig, um den Impfschutz zu erreichen. Trotz Impfung ist die regelmäßige Teilnahme an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen weiterhin nötig. Der Impfstoff schützt zwar weitgehend vor Dysplasien, Genitalläsionen und Gebärmutterhalskrebs, kann aber andere Krebsarten nicht verhindern.